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Was ist Freimaurerei?

von Br. Diedrich Klusmann

Lehrarten der Freimaurerei

Was ist sie im allgemeinen und was ist sie im speziellen in unserer christlichen Lehrart? Wie definiert sie sich selbst und wie wird sie von außen definiert? Ich will versuchen, diese Fragen unter verschiedenen Aspekten zu beantworten, und zwar so, daß auch ein Außenstehender, ein Profaner, wie wir sagen, mit den Antworten etwas anfangen kann.

In einem englischen Katechismus, also einem Buch, in dem Symbole und Rituale der Freimaurer in Fragen und Antworten erläutert werden, findet sich folgende Definition: „Freimaurerei ist ein eigenartiges System von Morallehren, verhüllt in Allegorien und erleuchtet durch Symbole.“ Allegorie ist dabei die abgeschlossene Darstellung eines Objektes oder Geschehens durch ein anderes oder die personifizierende Darstellung abstrakter Gedanken oder Eigenschaften. Symbole dagegen sind Sinnbilder, die repräsentativ einen Begriff durch einen anderen ersetzen, das heißt bildliche Darstellungen, deren Gegenstand für eine Idee oder einen Gedanken steht. Symbole sind dem Gefühl, Allegorien dem Verstand zugänglich, auch wenn ihr Verstehen Phantasie erfordert. Beide ergänzen also einander. Zum wirksamen Gebrauch von Symbolen ist es nicht erforderlich, daß man sie versteht; eine Wirkung ist auch zu verzeichnen, wenn man sich nur mit ihnen beschäftigt und über sie nachdenkt. Allegorien bedürfen, um Erkenntnis zu befördern, unbedingt der verstandesmäßigen Erfassung.

Allegorien sind zum Beispiel die Figur der Iustitia oder die Darstellung des Kampfes der Kirche gegen ihre Gegner in dem Bild der Hunde des Herrn, der „Domini canes“. In der Freimaurerei sind Allegorien unter anderem die in manchen Graden verwendeten Legenden oder der Bau des salomonischen Tempels, der allegorisch die Arbeit des Menschen an seiner je eigenen Persönlichkeit vorstellt.

Symbole dagegen sind Bilder von Gegenständen, die etwas von ihrer unmittelbaren Bedeutung völlig unterschiedenes verkörpern. Wir finden solche Symbole auf unseren Arbeitstafeln, das sind Teppiche, die bei unseren rituellen Arbeiten aufgelegt werden. Auf ihnen sind Symbole aufgezeichnet oder eingewebt, die sich zum Teil aus dem Bauhandwerk herleiten, zum Teil aus anderen Bereichen. Wir finden da z. B. Winkelmaß, Senkblei und Wasserwaage, Hammer und Kelle, Sonne und Mond, zwei Steine und zwei Säulen. Hinter diesen Symbolen verbirgt sich für den Freimaurer eine Bedeutung, die aber nicht verbindlich vorgeschrieben ist, sondern die je eigene Interpretation zuläßt. Im Umgang mit den Symbolen schafft der Freimaurer eine Beziehung zwischen der symbolisierten Wirklichkeit und ihrem Symbol, zwischen dem Bedeuteten und seinem Sinnbild.

Die Beschäftigung mit den Allegorien und Symbolen soll den Freimaurer dazu befähigen, die je eigene Persönlichkeit positiv zu entwickeln. Das mögliche Ergebnis wird in einem der Fragebücher unseres Ordens – diese entsprechen den Katechismen der Engländer – so beschrieben: Ein Freimaurer „ist ein freier Mann, der seine Neigungen zu überwinden, seine Begierden zu mäßigen und seinen Willen den Gesetzen der Vernunft zu unterwerfen weiß.“

Natürlich kann jeder Bruder unseres Bundes sich ganz für sich allein mit den uns eigentümlichen Allegorien und Symbolen beschäftigen und tut dies oft auch. Aber erleichtert wird diese Aufgabe durch die rituellen Zusammenkünfte, die wir Arbeiten nennen. Hier werden in der Gemeinschaft festgelegte Rituale zelebriert, deren Worte und Handlungen exakt vorgeschrieben sind und die sich über die Jahrhunderte nur unwesentlich verändert haben. In diesen Arbeiten finden auch die Aufnahmen in die einzelnen Grade statt.

Es gibt in den Freimaurerlogen auf der ganzen Welt drei Grade: Lehrling, Geselle und Meister. Darüber hinaus gibt es noch unterschiedliche Systeme von weiterführenden Graden, die aber hier nicht Thema sein sollen und können. Für jeden dieser drei Grade gibt es eine besondere Aufnahmezeremonie, deren Details nicht nach außen getragen werden sollen, da das Erlebnis der jeweiligen Aufnahme ureigenstes Eigentum des Aufgenommenen ist und bleiben soll.

Damit sind wir bei den Ritualen. Rituale sind feste feierliche Handlungen, die regelmäßig unverändert durchgeführt werden müssen, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. Dabei erfolgt der Aufbau des Rituals stufenweise zu einem gewissen Höhepunkt, der Aufnahme des jeweiligen Initianten, um dann in umgekehrter Reihenfolge auf den Nullpunkt zurückgeführt zu werden. Rituale müssen, wie Symbole, nicht verstandesmäßig erfaßt werden, um wirksam zu sein. Entscheidend ist die regelmäßige, unveränderte Wiederholung, die auf das Unbewußte im Menschen wirken soll, und dies auch meist tut.

Das Zusammenspiel von Ritual, Symbol und Allegorie ist notwendig, um den Veränderungsprozeß, den positiven wohlgemerkt, dem sich der Freimaurer freiwillig unterzieht, in Gang zu setzen und fortzuführen. Dies aber kann nur in der Gemeinschaft geschehen. Eine Person alleine könnte sich sicherlich mit den Symbolen und Allegorien intensiv auseinandersetzen; aber zur Durchführung der Rituale bedarf es der Gemeinschaft, bedarf es der Loge, des Zusammenschlusses einer Anzahl von Brüdern eben zum Zweck der rituellen Arbeit.

Soweit die Rituale dabei der Aufnahme in den ersten Grad oder auch in einen der weiteren dienen, handelt es sich dabei immer um Initiationsrituale; und Initiation ist stets, das gilt nicht nur für Freimaurerlogen, geschlechtsspezifisch. Denn die mit der Initiation verbundenen Rituale und Symbole sind ausnahmslos entweder auf das männliche Gefühlsleben oder auf das weibliche zugeschnitten. Sie können ihre Wirksamkeit beim jeweils anderen Geschlecht nicht entfalten, da die Struktur des Denkens und Empfindens bei Mann und Frau unterschiedlich sind. Dies wird auch von den meisten feministischen Wissenschaftlerinnen nicht bestritten. Hierin liegt auch der einzige legitime Grund, Frauen nicht in unseren Bund aufzunehmen.

Der Begriff Initiationsriten, wie er im deutschen und angelsächsischen Sprachgebrauch üblich ist, beschreibt das Phänomen übrigens nur ungenau. In der französischsprachigen Literatur wird zutreffender von Übergangsriten gesprochen. Es geht ja eben um den Übergang von einer Befindlichkeitsebene in eine andere, die eine vertiefte Erkenntnis des eigenen Ich und der eigenen Umwelt ermöglicht, und dies fortschreitend von Grad zu Grad.

Dabei verbietet es sich von selbst, Einzelheiten der rituellen Arbeit, besonders der Aufnahme, Außenstehenden mitzuteilen. Zum einen gilt uns Verschwiegenheit als eine Tugend; zum anderen entzieht sich das Erlebnis in der rituellen Gemeinschaft der Mitteilbarkeit, da es dem je einzelnen Bruder eigentümlich ist. Die Arbeit kann nur in der Gemeinschaft stattfinden; aber das, was jeder bei der Arbeit empfindet, ist höchst individuell, unteilbar und damit auch nicht mitteilbar. Dies ist das einzige Geheimnis der Freimaurerei, denn alle Rituale und sonstigen Texte, alle Symbole und bei der Arbeit im Tempel verwendeten Gegenstände welcher Art auch immer sind schon seit Jahrhunderten publik geworden.

Geschichte der Freimaurerei

Seit wann gibt es Freimaurerei? Oder ist es so, wie Lessing sagt: „Freimaurerei war immer“? Sicherlich stimmt es, daß es zu allen Zeiten Menschen gab, die tiefer nach Licht und Wahrheit suchten, als es allen Menschen gemeinsam ist. Aus diesem Streben entstanden schon im Altertum Mysterienbünde im Vorderen Orient, in Ägypten und Griechenland. Dieses Streben hat sich auch in späteren Zeiten fortgesetzt. Aber das war noch nicht Freimaurerei, auch wenn manche Gedanken aus diesen Zeiten in die Freimaurerei eingeflossen sind. Christliche und jüdische Kabbala, Hermetismus und Alchemie haben ihre Spuren in Ritual und Symbolik des Bundes hinterlassen, wie natürlich auch die ins Symbolische umgedeutete Bauhüttentradition. Dies im Detail auszuführen, würde viele Bände füllen. Aber einige grundsätzliche Bemerkungen sind dennoch notwendig.

Die Kabbala ist ursprünglich eine jüdische Geheimlehre, die im Hochmittelalter entstand. Der Begriff stammt aus dem Hebräischen und bedeutet: Überlieferung oder genauer: Überlieferung, die man empfängt. Diese Geheimlehre beschäftigt sich zum einen mit der Schöpfung und ihren geheimnisvollen Gesetzen, zum anderen mit dem Wesen der Gottheit und den Arten seiner Offenbarung. Diese Offenbarung der Gottheit geschieht durch die zehn Sefirot, Emanationen Gottes, die jede mit einer seiner Eigenschaften und einem der Namen Gottes bezeichnet sind. Diese Sefirot sind üblicherweise in einer baumähnlichen Konstruktion miteinander verbunden. Der erste, der die Kabbala ins Christliche umdeutet, ist der Katalane Ramon Lull, der von 1232 bis 1316 lebte. In der Renaissance blüht die Bewegung dann auf; wesentlich sind hier Giovanni Pico della Mirandola (1463 bis 1494) und der Pforzheimer Johannes Reuchlin (1455 bis 1522). Die durch letzteren deutlichst auf Christus ausgerichtete Kabbala wurde damit im auch im nordalpinen Raum heimisch und aufgrund vielfältiger Beziehungen weiter nach England vermittelt.

Der Hermetismus leitet seinen Namen von dem Corpus Hermeticum her, einer Sammlung esoterischer Texte aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert, die in Alexandria zusammengestellt wurden und als ihren Verfasser den griechischen Gott Hermes Trismegistos nennen. Von Erleuchtungs- und Offenbarungsbildern durchdrungen, entwickeln die Texte eine Kosmogonie und Anthropogonie, wobei zu den wesentlichen Themen der Sündenfall und die Reintegration zählen sowie das Erinnern in seiner Beziehung zur tätigen Einbildung. Um 1460 wird das Corpus Hermeticum wiederentdeckt. 1471 erscheint eine erste lateinische Übersetzung von Marsilio Ficino, die die rasche Verbreitung der darin enthaltenen Ideen ermöglicht.

Die Alchemie enstammt der gleichen Zeit und dem gleichen Umfeld wie der Hermetismus. Anders als dieser war sie jedoch auch dem Mittelalter bekannt. Ihr vordergründiges Thema ist die Suche nach dem Stein der Weisen, der es ermöglichen soll, unedle Metalle in Gold zu verwandeln. Dies zielt jedoch nicht auf materiellen Erfolg, sondern soll als krönender Abschluß die Einsicht des Alchemisten in das verborgene innere Wesen der Schöpfung beweisen. Die Alchemie konstituiert ein Weltbild, in dem Mensch und Natur, Geist und Materie auf das engste miteinander verwoben sind.

Alle diese Traditionen wurden zusammengeführt in den Rosenkreuzermanifesten von 1614, 1615 und 1616, die vorgaben, von einer geheimen Bruderschaft zu handeln, die seit Jahrhunderten an der Veredelung der Menschheit arbeite. Ob diese Bruderschaft jemals existiert hat, ist mehr als zweifelhaft. Das in den Manifesten niedergelegte Gedankengut konnte sich auf dem Boden des Reichs infolge der Wirren des Deutschen Krieges nicht verbreiten, fand jedoch aufgrund zahlreicher persönlicher Kontakte Eingang in gebildete Kreise auf den britischen Inseln, soweit es nicht schon vorher dorthin vermittelt worden war.

Was wir unter Freimaurerei verstehen, läßt sich zuerst um 1600 in Schottland nachweisen. Zu dieser Zeit drangen in lokale Bauhütten, deren Aufgabe vorher allein die Regulierung der handwerklichen Organisation war, esoterische Gedanken ein, die den oben genannten hermetischen Traditionen der Renaissance entsprangen. Damals entstanden auch die ersten Rituale, von denen sich nur Spuren erhalten haben. Feststeht, daß es geheimzuhaltende Aufnahmezeremonien gab, in denen esoterisches Wissen vermittelt wurde. Diese Vermittlung esoterischen Wissens war es schließlich, die auch Nichthandwerker aus Bürgertum und Adel in die frühen Logen zog.

Aus dieser Entstehung der spekulativen Maurerei – im Gegensatz zur bis dahin rein operativen Maurerei – ist auch das zahlreiche Vorkommen von aus dem Bauhandwerk stammenden Symbolen in den Logen herzuleiten. Trotz aller Bemühungen ist eine direkte Herleitung der Freimaurerei von den mittelalterlichen Dombauhütten bis heute nicht gelungen.

Im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts dann, mitten im Bürgerkrieg zwischen König und Parlament, springt die Bewegung auf England über, zunächst noch nicht in organisierten Logen, sondern in spontanen Zusammenkünften allein zum Zweck von Aufnahmen. Hier taucht dann auch 1646 zum ersten Mal der Begriff Freimaurer auf. Erst um 1700 herum scheint es zur Gründung ständiger Logen auf englischem Boden gekommen zu sein.

Vier dieser Logen, beheimatet in London und Westminster, schließen sich dann am 24. Juni 1717 zu einer Großloge zusammen. Damit beginnt die Ausbreitung der Freimauerei über die ganze Welt. Um 1730 kommt es zu ersten Logengründungen auf dem Kontinent, in Frankreich. Hier entstehen dann auch die ersten Arbeitstafeln, Teppiche mit aufgemalten oder eingewebten Symbolen, die bei den rituellen Arbeiten ausgebreitet und erläutert werden. 1737 formiert sich in Hamburg die erste deutsche Loge. Einige ihrer Mitglieder nehmen 1738 in Braunschweig den preußischen Kronpronzen Friedrich, den späteren König Friedrich den Großen, in den Bund auf. Aus der von ihm gegründeten Loge in Berlin entsteht 1744 die erste deutsche Großloge, der, bedingt durch die territoriale Zersplitterung Deutschlands, bald zahlreiche weitere nachfolgen. Erst einige Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg finden sich die drei deutschen Großlogen, die sich nach dem Ende des Dritten Reiches wiedergegründet hatten, mit den Großlogen der in Deutschland lebenden amerikanischen und britischen Freimaurer zu den Vereinigten Großlogen von Deutschland zusammen.

Ursprünglich waren die Logen der Freimaurer ausschließlich und eindeutig christlich ausgerichtet. Dies ergibt sich nicht nur aus ihrer legendenhaft behaupteten Herkunft von den mittelalterlichen Dombauhütten, sondern auch aus dem gesellschaftlichen Umfeld ihrer Entstehung im 17. Jahrhundert auf den britischen Inseln. Allerdings war diese christliche Grundauffassung von Beginn an konfessionsneutral.

Aber schon die erste Satzung der englischen Großloge, die Konstitutionen von 1723, verfaßt von dem schottischen Presbyterianerprediger James Anderson, spricht nur noch von der Verpflichtung zu der Religion, „in der alle Menschen übereinstimmen“. Hier hat sich der in England seit dem 17. Jahrhundert in den gebildeten Schichten weit verbreitete Gottesbegriff des Deismus niedergeschlagen. Für den Deisten gibt es einen Schöpfergott, der die Welt zwar erschaffen hat, sich aber seitdem jedes Eingreifens in diese enthält. Seine Vollkommenheit zeigt sich allein im gesetzmäßigen Geschehen in der Welt, vor allem in der Natur. Bei der Entstehung des Deismus, und besonders dann auch bei der Definition des freimaurerischen Gottesbegriffes spielte das seinerzeitige Ägyptenbild eine tragende Rolle. Ausgehend von den damals noch nicht entzifferten Hieroglyphen vermuteten hermetisch interessierte Forscher, daß sich hinter der polytheistischen Religion der Ägypter ein nur Eingeweihten zugänglicher esoterischer Monotheismus, eine einzig wahre Religion, verborgen habe.

Die englische Großloge hat diesen deistischen Gottesbegriff dann im Laufe des 18. und besonders des 19. Jahrhunderts sich immer stärker zu eigen gemacht und allmählich, aber konsequent alle christlichen Anklänge aus den Ritualen entfernt. Die meisten Großlogen der Welt sind ihr dabei gefolgt. So ist heute für den überwiegenden Teil der Freimaurer auf der Welt ein höchstes Wesen Grund und Grundlage seiner sittlichen Verantwortung. Aber dieses Wesen wird nur unter einer symbolischen Bezeichnung verehrt; es gibt keine Aussagen über sein Wirken. Es bleibt jedem einzelnen überlassen, den Freiraum auszufüllen mit den Vorstellungen seines Bekenntnisses oder seiner philosophischen Überzeugung.

Nur die Großlogen in Skandinavien und eine der deutschen Großlogen, die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland, praktizieren bis heute ein ausschließlich christlich basiertes System der Freimaurerei. Auch dieses ist allerdings, wie die Freimaurerei in ihren Anfängen, strikt konfessionsneutral. Wir verlangen von unseren Brüdern kein Bekenntnis zu irgendeiner christlichen Glaubensgemeinschaft, sondern allein ein Bekenntnis zur Lehre Jesu Christi. Die entscheidende Passage unserer Ordensregel lautet: „Die Lehrart der Großen Landesloge ist auf das Christentum gegründet. Unter Christentum ist aber nicht die Zusammenfassung bestimmter Glaubenartikel zu verstehen, sondern die alleinige Lehre Jesu Christi, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist.“

Trotz dieser Einschränkung, wenn man sie denn so bezeichnen will, sind auch diese christlich orientierten Großlogen Teil der weltumspannenden Bruderkette, der Freimaurerei, des letzten großen Mysterienbundes. Dieses ist sie zweifelsfrei.

Was sie nicht ist, ist eine Geheimgesellschaft. Die Logen und Großlogen sind in Deutschland eingetragene Vereine im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. Hier wie fast überall auf der Welt stehen sie im Telefonbuch und sind ihre Logenhäuser öffentlich erkennbar. Auch viele Brüder tragen offen Abzeichen, die sie als Freimaurer kenntlich machen. Nur in wenigen Ländern wie z. B. in Österreich halten sich Brüder und Logen etwas bedeckter.

Aber obzwar keine geheime Gesellschaft, ist die Freimaurerei doch eine Gesellschaft mit einem Geheimnis. Dies liegt, wie ich schon oben ausgeführt habe, im persönlichen Erleben und Empfinden des je einzelnen Bruders in der rituellen Arbeit, besonders der Aufnahme in die einzelnen Grade. Dieses Erleben und Empfinden aber ist höchst individuell und damit nicht mitteilbar.

Der Freimaurer sieht seine Aufgabe darin, an der Verbesserung dieser Welt zu arbeiten, indem er bei sich selber anfängt. Wer sein je eigenes Selbst positiv entwickelt, trägt damit mehr zu einer positiven Entwicklung der Welt bei, als wenn er lange darüber räsoniert, was dieser oder jener Staat oder diese oder jene Organisation oder dieser oder jener Andere dazu beitragen sollten. Hierin liegt der Zweck der Freimaurerei seit ihrem Bestehen und hoffentlich bis ans Ende der Zeiten.